Doping am Arbeitsplatz

Laut neuesten Studien der Krankenkassen pumpen sich zunehmend mehr Arbeitnehmer noch vor der Arbeit mit Medikamenten voll. Doping am Arbeitsplatz, so die offizielle Bezeichnung für diese Studien. Doch was genau versteht man unter Doping während der Arbeit? Sind es die Medikamente, die man vom Arzt bei einer Erkältung verschrieben bekommt, die vielfach auch nicht mehr verschreibungspflichtig sind und demzufolge problemlos selbst in der Apotheke beschafft werden können? Experten jedenfalls schätzen die Ärzte so ein, dass diese allzu leicht stimmungsaufhellende Medikamente und Muntermacher verschreiben, die die Arbeitnehmer dann gerne einmal vor dem Gang zur Arbeit schlucken, um so bessere Laune zu haben und das Pensum abarbeiten zu können, was sich jeden Tag erneut vor ihnen auftürmt.

Doch bedenkt man einmal, wie viele Menschen sich mit schwersten Erkältungen und grippalen Infekten an die Arbeit schleppen, dann ist es kein Wunder, dass es nicht ganz ohne Medikamente geht. Denn grundsätzlich ist es so, dass die meisten Menschen trotz Krankheit zur Arbeit gehen, einfach aus Angst, ihren Arbeitsplatz andernfalls zu verlieren. Einige Unternehmen versuchen den Krankenstand auch mit finanziellen Anreizen gering zu halten, so werden Anwesenheitsprämien gezahlt, wenn jemand nicht krank wird. Lässt er sich krank schreiben, geht ein Teil des Einkommens verloren, da die Anwesenheitsprämie dann nicht oder nur noch teilweise ausgezahlt wird.

In diesen Zeiten ist es also kaum zu vermeiden, dass zahllose Arbeitnehmer voll gepumpt mit Medikamenten unterschiedlichste Art zur Arbeit gehen. Wer an Maschinen arbeitet, die dann aufgrund der Einnahme der Medikamente nicht mehr bedient werden dürfen, wird wohl eher zu Hause bleiben, doch insgesamt gesehen ist dies nur ein kleiner Anteil der Arbeitnehmer. Nun aber von Doping zu sprechen, weil man eine Kopfschmerztablette genommen oder etwas gegen die Grippe eingenommen hat, ist wohl eindeutig übertrieben. Solange die Arbeitnehmer ihre Arbeit noch ordnungsgemäß erfüllen können, sollte man hier keine Mücke zum Elefanten machen.

Denn sonst müsste man den morgendlichen Kaffee, der wohl in jedem Büro dazu gehört, auch gleich als Doping bezeichnen, schließlich wird Kaffee im Allgemeinen eine anregende und belebende Wirkung nachgesagt. Es gibt sicherlich deutlich gefährlichere Substanzen in deutschen Büros, denen die Arbeitnehmer ausgesetzt sind, etwa den Staub von Tonern und Tintenpatronen. Dann kann man bei einfachen Medikamenten gegen die Erkältung sicherlich nicht von Doping sprechen, sondern vielmehr von einem Arbeitnehmer, der es sich einfach nicht traut, sich krank schreiben zu lassen. Dass der Krankenstand seit Jahren stetig weiter sinkt, ist hinreichend bekannt, warum dies so ist, erklärt sich anhand der aktuellen Lage sicher ebenfalls ganz eindeutig.

Und bei Medikamenten, die nicht einmal vom Arzt verschrieben werden müssen, sollte man auf keinen Fall von Doping ausgehen. Denn meist sind die Medikamente doch vergleichsweise harmlos, schließlich würde auch kaum jemand auf die Idee kommen, beispielsweise pflanzliche Extrakte wie Baldrian und Co. als Dopingmittel zu bezeichnen. Hier sollte man doch Unterschiede machen und nicht voreilig von Doping sprechen, einem Wort, das doch sehr negativ angehaucht ist.

Empfehlenswert wäre es allerdings, würden Arbeitgeber mehr Verständnis für die Krankheit der Arbeitnehmer aufbringen und sie durchaus einmal ermuntern, doch lieber ein paar Tage daheim zu bleiben, als mit einer starken Erkältung weiterhin zur Arbeit zu erscheinen. Denn allzu groß ist die Ansteckungsgefahr, sodass schon binnen kurzer Zeit das gesamte Unternehmen erkrankt sein könnte. Sinnvoller ist es allemal, die Erkältung zu Hause im stillen Kämmerlein auszusitzen, als die gesamte Belegschaft anzustecken und den Betrieb nahezu lahm zu legen. Denn dies ist sicher nicht Sinn und Zweck dessen, dass man trotz Krankheit weiter arbeitet. Vielmehr sollte man das nötige Verantwortungsbewusstsein, sowohl als Arbeitnehmer den Kollegen gegenüber, als auch als Arbeitgeber den anderen Mitarbeitern gegenüber aufbringen, dass man mit Erkältung eben einfach ein paar Tage ausruht und dann mit frischer Kraft wieder ans Werk geht.